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Fujiiryoki

Wer hat den Massagesessel erfunden? Die Geschichte beginnt 1954 in Osaka

1954 baute ein Bürstenverkäufer in Osaka den ersten Massagesessel der Welt, aus Holz, Softbällen und Fahrradketten. Hier ist die ganze Geschichte.
Michael Roedeske

Michael Roedeske

Inhaber der Massagesessel Welt

Zuletzt aktualisiert:

Wer hat den Massagesessel erfunden? Die Geschichte beginnt 1954 in Osaka. Foto des ersten Massagesessels aus Holz.

Den ersten in Serie gebauten Massagesessel der Welt hat Nobuo Fujimoto 1954 in Osaka gebaut. Sein Material: Holz, Softbälle, Fahrradketten und ein Autolenkrad. Aus seiner Werkstatt wurde die Firma Fujiiryoki, die bis heute Massagesessel baut und damit der älteste Hersteller der Branche ist. Das Erstgerät existiert noch. Es steht im Werk in Osaka und ist seit 2014 offiziell anerkanntes japanisches Maschinenerbe.

Die Idee kommt aus dem Badehaus

Im Japan der 1950er Jahre hatten die wenigsten Wohnungen ein eigenes Bad. Gewaschen wurde im Sentō, dem öffentlichen Badehaus, und dort traf sich abends das Viertel. Nobuo Fujimoto verkaufte damals Schrubbbürsten für Badehaus-Fliesen. Bei seinen Kundenbesuchen sah er jeden Abend dasselbe Bild: Menschen, die nach der Arbeit im Umkleideraum saßen und einfach nur müde waren.

Genau für diesen Raum wollte er etwas bauen. Ein Gerät, in das man sich nach dem Bad setzt und in dem man durchgeknetet wird, ohne dass ein Masseur anwesend sein muss. Das Geschäftsmodell dachte er gleich mit: Der Badegast wirft eine 10-Yen-Münze ein (nach heutiger Kaufkraft rund 40 Cent) und wird 3 Minuten lang massiert, der Badehausbesitzer verdient am Gerät mit. So kam der Massagesessel in die Welt, als Münzautomat im Umkleideraum.

Holz, Softbälle, Fahrradketten

Früher Prototyp des ersten Massagesessels aus Holz (Archivfoto Fujiiryoki)
Einer der frühen Prototypen, ganz aus Holz. Archivfoto: Fujiiryoki.

Kaufteile gab es im Nachkriegsjapan kaum, also baute Fujimoto aus dem, was er fand. Für die Massageköpfe nahm er Softbälle, weil ihr Gummi der Elastizität menschlicher Daumen nahekommt. Den Antrieb übernahmen ausrangierte Fahrradketten, die Höhenverstellung ein seitlich montiertes Autolenkrad. Prototyp um Prototyp entstand so in seiner Werkstatt im Osakaer Stadtteil Abeno, bis 1954 das erste Serienmodell fertig war: die Fuji Automatic Massage Machine.

Fuji Automatic Massage Machine von 1954 mit Holzgehäuse, grünem Sitzpolster und seitlichem Handrad, daneben Detailaufnahmen von Ein-Aus-Schalter und Innenmechanik
Das Erstgerät von 1954 mit Ein-Aus-Schalter und Blick auf die Mechanik. Fotos: Fujiiryoki.

Das Gerät konnte genau eine Sache: den Rücken kneten. Zwei Massageköpfe fuhren links und rechts der Wirbelsäule, die Höhe stellte man von Hand über das Rad an der Seite ein. Elektrik gab es nur in Form eines einzigen Schalters für Ein und Aus. Die frühen Geräte kosteten rund 70.000 Yen, zum damaligen festen Wechselkurs etwa 820 D-Mark. Kaufkraftbereinigt sind das heute etwa 480.000 Yen oder 2.500 Euro, und gemessen am damaligen Einstiegsgehalt eines Hochschulabsolventen von 7.800 Yen im Monat waren es sogar rund 9 Monatsgehälter. Die Rechnung mit den Badehäusern ging trotzdem auf: Die Sessel liefen, die Münzen fielen, und Fujimotos 3-Personen-Familienbetrieb wurde zu einer Fabrik.

Innenmechanik des Massagesessels von 1954: zwei Massageköpfe und offener Rücken mit Kurbeltrieb und Kette (Archivfoto Fujiiryoki)
Zwei Massageköpfe, ein Kurbeltrieb, eine Kette: die komplette Technik des Erstgeräts. Fotos: Fujiiryoki.

Ein Erfinder, oder zwei?

Die Gründungsgeschichte hat allerdings noch mehr Namen. In Sakai, direkt neben Osaka, arbeitete zur selben Zeit Niichi Kawahara an motorisierten Massagegeräten, aus dessen Umfeld der Hersteller Thrive hervorging. Family Inada, ebenfalls aus Osaka, führt für sich, 1962 den ersten vollautomatischen Massagesessel gebaut zu haben. Und ab 1969 stieg mit Panasonic der erste Großkonzern ins Geschäft ein.

Belegt mit Datum, erhaltenem Gerät und unabhängiger Prüfung ist aber nur einer: der Serienstart 1954 bei Fujiiryoki. Auffällig ist etwas anderes. Alle diese Namen kommen aus einer einzigen Region. Der Massagesessel ist eine Erfindung aus dem Großraum Osaka, so wie die Quarzuhr aus der Schweiz kommt.

Maschinenerbe Nr. 68

Urkunde der japanischen Ingenieursgesellschaft JSME: Maschinenerbe Nr. 68 für die Fuji Automatic Massage Machine, Baujahr 1954, verliehen am 7. August 2014
Die Urkunde der japanischen Ingenieursgesellschaft, verliehen am 7. August 2014. Foto: Fujiiryoki.

Wie ernst Japan diese Erfindung nimmt, zeigt eine Auszeichnung aus jüngerer Zeit. Am 7. August 2014 hat die japanische Gesellschaft der Maschinenbauingenieure (JSME) das Erstgerät von 1954 zum Maschinenerbe Nr. 68 erklärt. Auf derselben Liste stehen die ersten Shinkansen-Züge und die frühen Motoren von Honda. Der hölzerne Massagestuhl aus dem Badehaus gehört dort ganz offiziell dazu.

Die Geschichte des Massagesessels im Zeitstrahl: vom Handrad zur KI

Was danach kam, ist die Geschichte einer einzigen Frage: Wie kommt die Mechanik näher an das heran, was 2 menschliche Hände können? Die Antworten der Ingenieure, Jahrzehnt für Jahrzehnt:

Jahr Modell Was neu war
1954 Fuji Automatic Massage Machine Erster Serien-Massagesessel: Kneten, Höhe per Handrad
1965 Fuji A-1 4 Massageköpfe, Schultern und Lendenbereich gleichzeitig
1967 Fuji C-3 Klopfmassage über geformte Massageköpfe
1975 Fuji MOTHER FM-52 Kneten und Klopfen im selben Gerät, per Schalter wählbar
1979 Dr. Roller FP-401 Rollenmassage entlang der Wirbelsäule, neigbare Lehne
1995 Royal Chair MC-133 Erster Sessel nur mit Luftkammern, erstmals Waden und Oberschenkel
2000 AS-777 Massageköpfe und Luftkammern kombiniert
2001 CYBER-Relax AS-001 3D-Punktnavigation: Rollen arbeiten auch in die Tiefe
2012 CYBER-RELAX AS-850 4D: die Rollen variieren zusätzlich ihr Tempo
2019 CYBER-RELAX AS-2000 KI-Steuerung mit doppelter Körper-Sensorik
2025 AS-R2300 Touchscreen, 40 Programme, KI-Navigation; international als JP4000

Ein paar dieser Stationen im Bild:

Fuji Massagesessel A-1 von 1965 mit orangefarbenem Bezug und seitlichem Handrad
1965: Der A-1 massiert Schultern und Lendenbereich gleichzeitig, noch immer mit Handrad. Foto: Fujiiryoki.
Fuji MOTHER FM-52 von 1975: Massagesessel im Look eines Polstersessels mit dunkelrotem Bezug
1975: Der FM-52 sieht zum ersten Mal nach Wohnzimmer aus statt nach Badehaus. Foto: Fujiiryoki.
Royal Chair MC-133 von 1995, laut Fujiiryoki der erste Massagesessel, der nur mit Luftkammern arbeitet
1995: Der MC-133 arbeitet komplett mit Luft und erreicht damit erstmals auch die Beine. Foto: Fujiiryoki.
CYBER-RELAX AS-2000 von 2019, erstes Fujiiryoki-Modell mit KI-gestützter Massagesteuerung
2019: Der AS-2000 vermisst den Körper per Sensorik und steuert die Massage mit KI. Foto: Fujiiryoki.
Fujiiryoki JP4000 in Beige mit Touchscreen-Bedienung, internationale Ausführung des AS-R2300
Heute: Der JP4000 mit Touchscreen, die internationale Ausführung des AS-R2300. Foto: Fujiiryoki.

Die aktuelle Generation dieser Baureihe heißt in Japan AS-R2300. Außerhalb Japans verkauft Fujiiryoki dasselbe Gerät als JP4000, baugleich bis auf das Typenschild, und genau der steht bei uns: Fujiiryoki JP4000.

Warum ausgerechnet Japan?

Der Massagesessel stand in Japan von Anfang an dort, wo alle hinkamen: erst im Badehaus, später im Elektronikmarkt und im Wohnzimmer. Heute steht in rund jedem 10. japanischen Haushalt ein Massagesessel. Die Hersteller entwickeln also seit 70 Jahren für einen Massenmarkt, der ständig vergleicht und nachfragt.

Wie weit diese Kultur geht, zeigt der heutige Fujiiryoki-Präsident Tadahito Nakai, der in Japan den Spitznamen Massagesessel-Sommelier trägt. Sein Anspruch, sinngemäß übersetzt: Die Modellpalette soll so breit sein, dass jedes Familienmitglied sein eigenes Programm findet, vom Enkel bis zur Großmutter. Aus dieser Haltung kommen die Sessel, die heute auch bei uns in den Ausstellungen stehen.

Was von 1954 in heutigen Sesseln steckt

Setzen Sie sich heute in einen japanischen Massagesessel, passiert in den ersten Sekunden etwas, das Fujimoto gefallen hätte: Sie werden vermessen. Die Rollen tasten den Rücken einmal ab, von der Halswirbelsäule bis zum Becken, und merken sich, wo Ihre Schultern sitzen. Dann werden Sie genau dort geknetet, wo 1954 zwei Softbälle ihre Bahnen zogen, nur eben in 3D oder 4D, mit Wärme und mit Luftkammern bis in die Waden.

Die Geschichte des Massagesessels ist dabei nie abgerissen. Fujiiryoki baut bis heute, und auch andere japanische Massagesessel tragen dieses Erbe weiter. In unseren Ausstellungen stehen die Nachfahren des Holzstuhls von 1954 aufgebaut da, und Sie können sich der Reihe nach hineinsetzen. Ihr Körper merkt in 2 Minuten, was aus 70 Jahren Entwicklung geworden ist. Wenn Sie vorher eingrenzen wollen, welcher Sessel zu Ihrem Körper passt: In 5 Schritten zum passenden Sessel.

Häufige Fragen zur Geschichte des Massagesessels

Wer hat den Massagesessel erfunden?

Nobuo Fujimoto, ein früherer Bürstenverkäufer aus Osaka. Er baute 1954 die Fuji Automatic Massage Machine, den ersten in Serie gefertigten Massagesessel der Welt, und gründete darauf die Firma Fujiiryoki.

Was kostete der erste Massagesessel?

Die frühen Geräte lagen bei rund 70.000 Yen, zum damaligen Kurs etwa 820 D-Mark. Das entsprach etwa 9 Monatsgehältern eines japanischen Hochschulabsolventen, kaufkraftbereinigt heute rund 2.500 Euro. Ihr Geld verdienten sie als Münzautomaten im Badehaus: 10 Yen für 3 Minuten Massage, damals gut 10 Pfennig, nach heutiger Kaufkraft rund 40 Cent. Das Modell A-1 von 1965 kostete laut Fujiiryoki 80.000 Yen (damals rund 890 D-Mark), knapp 4 Monatsgehälter, heute etwa 2.000 Euro.

Existiert der erste Massagesessel noch?

Ja. Das Erstgerät von 1954 steht im Fujiiryoki-Werk in Osaka und wurde am 7. August 2014 von der japanischen Ingenieursgesellschaft JSME als Maschinenerbe Nr. 68 anerkannt.

Seit wann gibt es 3D-, 4D- und KI-Massagesessel?

Die 3D-Massage kam 2001 (Fujiiryoki AS-001), 4D mit variablem Tempo 2012 (AS-850), die erste KI-Steuerung mit Körper-Sensorik 2019 (AS-2000).

Quellen

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